Getreidefrei ist für Arthrosehunde nicht genug

„Über Fütterung brauchen wir nicht sprechen. Mein Hundefutter ist getreidefrei. Dass soll man ja bei Arthrose nicht füttern.“ – ist wohl einer der häufigsten Sätze, die ich in meiner Praxis höre. Doch…

Das Getreide bei einer Arthrose-Erkrankung ihres Hundes kontraproduktiv ist, ist leider nur die halbe Wahrheit, dafür aber ein starkes Verkaufsargument für viele Hundefutterhersteller.

Getreide? Gemeint ist eigentlich Stärke

Getreide steht eigentlich nur als Platzhalter für stärkehaltige Nahrungsmittel! Denn Stärke ist der eigentliche Inhaltsstoff, der ihrem Hund über kurz oder lang schadet.

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Ob Getreide oder Kartoffeln ist fast dasselbe

Aber Stärke ist eben nicht nur in Getreide enthalten, sondern auch in bestimmten Gemüsesorten, Hülsenfrüchten oder sogar Obst.

KARTOFFELN werden zum Beispiel in Fertigfutter gern als alternative Zutat genutzt. Ironischer Weise enthält die Kartoffel jedoch noch mehr Stärke als Getreide.

Für die Futtermittelindustrie ist diese Lösung jedoch ideal! Braucht sie doch gerade in der Herstellung von Trockenfutter einen „Kleber“ (= Stärke) um überhaupt Brocken formen zu können. Auch die Futterrezptur musste auch nicht groß geändert werden.

Für ihren Hund bleibt das Ergebnis jedoch dasselbe.

Aber warum sollten Sie überhaupt auf den Stärkeanteil im Hundefutter achten? Was macht Stärke den eigentlich so schädlich? Nun…

 

Zum Einen macht Stärke ihren Hund fett!

Wussten Sie, dass das Trockenfutter für Hunde ursprünglich aus einem Grundrezept für die Fleischtiermast entwickelt wurde?

zuckerarten-in-infografikWen wundert es da, dass unsere Hunde schnell Gewicht zulegen. Zumal die Angaben zur Fütterungsmenge auf den Verpackungen meist im Verhältnis zum Energieverbrauch unserer Vierbeiner viel zu hoch sind.

Doch wie genau führt Stärke zur Verfettung?

Nun wird es ein wenig chemisch.

Stärke gehört zu den Kohlenhydraten oder Sacchariden (Zuckern). Ganz genau betitelt ist es ein Polysaccharid (Mehrfachzucker).

Normal ist Zucker einer der wichtigsten Energielieferanten des Körpers. Wir kennen das alle vom Traubenzucker oder dem Stück Schokolade, welches uns wieder auftankt. Zucker ist schnell verfügbar und hoch effektive Energie.

Es sei denn, man ist ein Hund.

Der ist nämlich darauf spezialisiert seine Energie in der Hauptsache aus tierischem Fett herzustellen. Was komplizierter ist und auch weniger effektiv. Aber… Fett ist nun einmal ein Hauptbestandteil seiner natürlichen Nahrung. Im Gegensatz zu Stärke in Form von Kartoffeln, Bananen oder Getreide.

Nur einen sehr geringen Teil seines Energiebedarfs muss ihr Vierbeiner aus Kohlenhydraten decken, z.B. zum Transport von Sauerstoff im Blut. Doch diesen Anteil kann er locker aus dem Frucht- und Traubenzuckergehalt der Obst- und Gemüsemenge, die seine Nahrung hoffentlich enthält, decken.

Bekommt ihr Hund jetzt über sein Futter zu viel Stärke – was für ihn reichlich, schnell verfügbare Energie bedeutet – und verbraucht diese Energie nicht (beispielsweise durch mehr als 5 Stunden Bewegung täglich – was die wenigsten Hunde wirklich schaffen), dann wird sie als Fettdepot für schlechte Zeiten gespeichert.

Und jedes Pfund zuviel belastet die Gelenke unseres arthrotischen Vierbeiners unnötig.

 

Zum Anderen belastet Stärke die Verdauung und die Bauchspeicheldrüse

Zugegeben: Hunde sind in der Lage über die Bauchspeicheldrüse Verdauungsenzyme für Kohlenhydrate (Amylasen) zu bilden. Und das laut einiger Studien wohl doch deutlich besser als der Wolf. Aber lange nicht so gut wie der Mensch. Trotzdem wird mit diesen Studien gerechtfertigt, dass das moderne Fertigfutter für Hunde immer mehr Stärke enthält.

Hinzu kommt: nicht alle Hunde können Stärke gleich gut verwerten.

Man nimmt an, dass dies mit der ursprünglichen Herkunft der Rassen zu tun hat und der im Ursprungsland gebräuchlichen Ernährungsschwerpunkte des Menschen. Denn anfänglich hat der „Ur-Hund“ sich ja mal von unseren Abfällen ernährt. Allerdings schwankt die Fähigkeit Stärke zu verdauen nicht nur zwischen den Rassen, sondern auch von Hund zu Hund sehr stark.Warum weiß bis jetzt keiner.

Fakt ist allerdings, dass trotz aller Fähigkeit zur Stärkeverwertung die gesteigerte Erzeugung kohlenhydratspaltender Enzyme durch die Bauchspeicheldrüse für viele Hunde sehr anstrengend ist. Ein Grund dafür, das Erkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder -erschöpfungen ein immer häufigeres Krankheitsbild werden.

Während Einfachzucker aus Obst und Gemüse von ihrem Vierbeiner fast sofort verwertet werden können, brauchen Zwei- und Mehrfachzucker eine kleine Aufarbeitung, die durch Enzyme des Dünndarm erledigt wird. Alles kein Problem für ihren Hund.

Um den Vielfachzucker Stärke in der kürze seiner Verdauungszeit zum Einfachzucker zu spalten und ihn dann ohne Schaden in den Blutkreislauf aufnehmen zu können, ist der Hund jedoch von mehreren Faktoren abhängig. Diese Faktoren sind:

  • Die Menge der gefütterten Stärke = je mehr Stärke, desto länger die Verdauungszeit oder desto höher die Zahl der benötigten Amylasen
  • Die Größe der gefütterten Stärkekörnung = je größer die Körnung, desto komplizierter das Aufschlüsseln in Einfachzucker
  • Die Art der Vorbehandlung = je intensiver behandelt, desto einfacher die Verdauung
  • Seine Fähigkeit genügend Amylase zu erzeugen (die nur über die Bauchspeicheldrüse erzeugt wird)

 

Doch was hat Stärkeverdauung mit Arthrose zu tun?

Dazu müssen wir leider noch etwas tiefer in die Verdauung des Hundes gehen. Denn auch wenn er Stärke eingeschränkt aufschlüsseln kann, hat das heutige Überangebot nicht nur Folgen für die Bauchspeicheldrüse sondern auch für die Gelenke.

Hier kommt neben der Verdauung der Stoffwechsel mit ins Spiel, was die Zusammenhänge nicht leichter durchschaubar macht. Ich versuch den Ablauf aber möglichst verständlich zu erklären.

 

Stärke lässt den Darm erkranken

Sind ein oder mehrere der oben genannten Faktoren für den Hund nicht ideal, kann er aufgrund seines kurzen Verdauungstraktes die Stärke nicht vollständig im Dünndarm zerlegen.

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Aus dem Seminar „Die goldenen Regeln der Arthrosefütterung“

Diese Überreste der Stärke wandern dann in den Dickdarm und werden dort von entsprechenden Darmbakterien weiter verarbeitet.

Bei dieser Art der Verdauung entstehen wiederum sehr viele schädliche Endprodukte wie Gifte und vor allem Säuren.

Giftstoffe können meist sofort wieder ausgeschieden werden. Die entstehenden Säuren dagegen verändern das  Darmmilieu in den sauren Bereich, wodurch sich die Darmflora verändert und die Darmschleimhaut durchlässiger wird (Leaky-Gut-Syndrom).

Darmschleimhaut und Darmflora sind wie Grenze und Zollbeamte des Körpers

Eine intakte Darmschleimhaut und die auf ihr siedelnden Darmbakterien bilden normalerweise eine natürliche Barriere für unvollständig verdaute Nahrungsbestandteile und giftige Stoffwechselendprodukte. Nur Vital- und Nährstoffe können ungehindert passieren.

Durch die nun „löcherige“ Darmschleimhaut gelangen vermehrt Säuren vom Darm ins Blut. Das Blut muss aber in jedem Fall einen bestimmten leicht basischen pH-Wert aufrecht erhalten. Andernfalls käme es zu einer lebensgefährlichen Blut-Azidose. Also neutralisiert der Körper die Säuren mit basischen Salzen zu Schlacken, um sie ausleiten zu können. Da die Säureflut bzw. die Menge an entstandenen Schlackesalze aber so groß ist, dass sie die Entgiftungsorgane überfordert, bleibt ihrem Hund nichts anderes übrig als diese in sogenannten Pufferzonen zwischen zu lagern bis er in der Lage ist, sie nach und nach auszuleiten.

Was durch immer neue Säurebelastungen aufgrund einer unausgewogenen Fütterung kaum möglich ist.

 

Schlacken lagern sich in allen Bindegeweben ein

Bindegewebe gibt es in verschieden Arten und für unterschiedliche Aufgaben im Körper. Werden Schlacken eingelagert, können sie dadurch vielfältige Beschwerden oder Krankheiten im Organismus erzeugen. Eingelagert werden Schlacken zum Beispiel:

  • im straffen Bindegewebe, zu dem die Sehnen, Gelenkkapseln und die Bänder von Gelenken und Wirbelsäule gehören. Diese werden durch die Einlagerungen unelastisch, porös und steif.
  • im areolären Bindegewebe, das sich beispielsweise im Bauchfell befindet. Durch die Einlagerung kann es zu einer starken Gewichtszunahme kommen, da die Schlacken viel Wasser binden.
  • im lockeren Bindegewebe, welches als Schutz zwischen den Organen liegt, aber auch in den Organen vorkommt. In diesem Gewebe verlaufen Nerven und Blutgefäße, welche die Organe versorgen. Durch die Einlagerungen wird deren Funktion beeinträchtigt und so auch die Funktion der Organe beeinflusst.
  • im embryonalen Bindegewebe, dem Gewebe zwischen den Zellen, wodurch der Stoffaustausch der Zelle stark behindert wird. Das heißt, die Zellen reagieren schleppender, sterben schneller ab und regenerieren sich nur langsam bzw. entarten sogar.
  • in spezialisiertem Bindegewebe, wie Knorpel, Knochen oder Fettgewebe, wodurch dort die Entstehung arthritischer Erkrankungen und Arthrosen gefördert wird
  • und nicht zuletzt an den Wänden der Blutgefäße, wodurch diese verengen und Herzerkrankungen bzw. Durchblutungsstörungen entstehen können

 

Das heißt also im Fazit:

Um die zuverlässige Versorgung der Zellen mit Nährstoffen und die regelmässige Entsorgung von schädlichen Stoffwechselendprodukten zu gewährleisten und somit ihren Vierbeiner gesund zu erhalten, benötigt der Körper ein sauberes Bindegewebe. Ansonsten kommt es nicht nur zur Entstehung von Gelenkentzündungen, Arthrosen, Bandscheibenproblemen und  Kreuzbandrissen sondern auch zu vielen anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Herzproblemen, Schilddrüsenunterfunktion oder auch Übergewicht – die der durchschnittliche Arthrosehund oft als zusätzliches Begleitproblem mitbringt.

Und natürlich hilft ein unbelasteter Stoffwechsel auch ihrem Arthrosehund längerfristig beschwerdefrei zu bleiben. Also sollten sie auf jeden Fall das Bindegewebe „aufräumen“. Dazu gehört, dass sie neben einer Darmsanierung und einer Entschlackungskur auf jeden Fall eine Umstellung auf die optimale Arthrosefütterung vornehmen!

Wie dieses Futter genau aussehen sollte und wie sie auch Fertigfutter schnell auf Arthroseverträglichkeit prüfen, erkläre ich in meinem Video-Seminar

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